Mehr Eigenverantwortung
Ein Beitrag von Axel Wintermeyer, rechtspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion
Wohlstand kann für uns auch im Zeitalter zunehmender globaler Konkurrenz eine Zukunft haben. Aber dazu braucht unser Land einen neuen “intellektuellen Wiederaufbau”, eine neue Kursbestimmung. Nach mehreren Jahrzehnten der Illusionen, der Wunschvorstellungen brauchen wir endlich eine Zeit der Visionen, mithin eine neue Zeit für tragfähige Zukunftsentwürfe.
Jeder Zweite hat heute nach einer aktuellen Zukunftsstudie Angst, dass Einkommen und Wohlstand sinken. Die Auswirkungen dieses Denkens kennen wir alle. Statt die Realität nüchtern anzunehmen und Handlungsmöglichkeiten zu analysieren, klammern sich viele Mitmenschen aus Angst vor einer unbekannten Zukunft an die ihnen bekannte Vergangenheit. Dieses kollektive Gesellschaftsverhalten lähmt unser Land seit Jahren. Wir müssen uns allein deshalb von der Historisierung verabschieden. Konservierung längst überkommener Strukturen kann und darf in einer modernen, zukunftsfähigen Gesellschaft kein Dogma sein. Bekennen wir uns wieder zur gesellschaftspolitischen Moderne, lernen wir wieder, Risikogesellschaft zu sein und legen wir Schuldgefühle gegenüber Wachstum sowie Angst vor notwendigen Veränderungen endlich ab.
Der englische Sozialwissenschaftler Lord Ralf Dahrendorf formulierte es Mitte August in Berlin sehr treffend. Auf die Frage, was Deutschland fehle, sagte er nur ein Wort: “Optimismus”. Er mahnte eindrucksvoll an, dass die Gesellschaft endlich die Fähigkeit entwickeln müsse, die notwendigen Veränderungen nicht auf Zukunftsangst, sondern auf Hoffnungen aufzubauen.
Haben wir nicht alle, weil genug Geld vorhanden war, auf unbewegliche Sicherheit gesetzt und den Status quo eifrig verteidigt? Haben sich damit Staat, Gesellschaft und Politik nicht über Jahre selbst blockiert? Der deutsche Psychoanalytiker Erich Fromm sagte einmal: “Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.” Recht hat er. Eine optimistische Vision schafft also Bewegung, schafft schließlich notwendige Veränderung. Hans-Olaf Henkel, der frühere BDI-Präsident formulierte es im Blick auf die Wirtschaft einmal so: “Wahres Selbstbewusstsein gewinnt man nicht aus dem, was man ist, auch nicht aus dem, was man hat, sondern einzig aus dem, was man kann!”
Wir werden uns also um einer guten Zukunft willen wieder mehr an das halten müssen, was wir können und lernen, wieder eine Risikogesellschaft – im positiven Sinne- zu sein. Wir werden verlagern. Vom Konsumieren hin zum Investieren. Im Privaten, in der Wirtschaft und auch im Sozialen. Vom konsumtiven zum investiven Sozialstaat heißt beispielsweise, weniger Geld erfolgreicher umzuverteilen. Wir müssen ein neues Vertragsverhältnis zwischen Bürger und Staat begründen: mehr selbstverantwortete Lebensführung, weniger Staat.
Lösen wir uns also aus den Fesseln der Vergangenheit, lösen wir uns aus der lieb gewonnenen Statik des “weiter so”. Wir können es ohnehin nicht mehr lange aus der gemeinsamen Staatskasse bezahlen. Reformieren wir nicht endlos, sondern modernisieren wir endlich grundlegend unseren Staat. Sehen wir ein “Mehr an Eigenverantwortung” nicht weiter als Bedrohung, sondern hoffnungsvoll als einzige Möglichkeit für eine bessere Zukunft.
Victor Hugo, der französische Dichter, schrieb vor fast 150 Jahren zu Beginn des Industriezeitalters: “Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Mutigen ist sie die Chance.” Was damals galt, ist auch heute aktuell. Also, nehmen wir die Zukunft optimistisch und mit dem Mut einer starken und leistungsfähigen Gesellschaft an!
0