“Krieg der Welten”
Ein Beitrag von Axel Wintermeyer MdL, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und Vorsitzender des EAK-Landesverbandes Hessen
Verhöhnung und Verspottung christlicher und islamischer Werte Der Karikaturenstreit erschüttert nicht nur die islamische Welt, nein auch die westliche Welt. Zu Recht ist die Meinung in der Öffentlichkeit, dass der Islam nicht verunglimpft werden darf.
Auf der anderen Seite steht die Meinungs- und Pressefreiheit: Ein unverrückbarer Grundrechtspfeiler aller Demokratien. Und hier liegt das islamische Problem: Durch die gewalttätigen Proteste gegen europäische, nicht nur dänische Einrichtungen zeigt die islamische Welt ein gewisses Unverständnis und mangelnde Achtung vor der
verfassungsmäßigen Ordnung der westlichen Staaten. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist ein Garant für eine funktionierende und pluralistische Demokratie. Die fehlende Sichtweise liegt in der Tatsache, dass im Islam die Einheit von Religion und Staat herrscht. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Muslim, der zum Christentum übertritt, mit der Todesstrafe rechnen muss. Gerade aber weil in religiösen, aber auch gesellschaftlichen Fragen eine große Diskrepanz
zwischen Muslimen und Christen besteht, muss eine gemeinsame Basis geschaffen werden. Eine Grundlage für ein künftiges Miteinander,
sowohl im gesellschaftlichen als auch religiösen Dialog. Die Karikaturen und die zögerliche Entschuldigung von öffentlicher Seite
waren falsch, und es war das gute Recht der Muslime, diese Karikaturen als eine Beleidigung zu geißeln. Doch müssen dabei gleichzeitig
Steine und Brandsätze fliegen? Verwerflich ist auch, dass die Militärdiktaturen in Syrien und Pakistan dem aufgestachelten Mob freien
Lauf lassen. Diesen Despoten sitzt der fanatisches Islamismus im Nacken: Weder die syrischen oder pakistanischen Machthaber noch
die anderen arabischen Staaten wollen einen zweiten Iran, einen vermeintlichen Gottesstaat, auf ihrem Boden. Kein Zweifel darf jedoch
darin bestehen, dass religiöse Überzeugungen niemals Anlass für Gewalt gegen Personen und Sachen sein dürfen.
Genauso wie die Muslime ihre Religion verteidigen, so muss eine klare Botschaft der westlichen Staaten erkennbar sein: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. So steht es im Grundgesetz und mit gleichem Inhalt in jeder
demokratischen Rechtsordnung auf dieser Welt. In einer aufgeklärten Gesellschaft muss Kritik an Religionen und Weltanschauungen selbstverständlich sein. Eines sollten aber all jene wissen, die sich in einer solchen Kritik üben: Respekt und Achtung vor religiösen Gefühlen anderer dürfen nicht verletzt werden. Doch diese Achtung darf nicht nur dem Islam gezollt werden. Während Teile des Islams überempfindlich auf religiöse Angriffe reagieren, scheinen die Christen in unserer Gesellschaft Gotteslästerungen mit Lethargie zu ignorieren. Die Zahl der Verunglimpfungen in der deutschen
Fernsehlandschaft nimmt beständig zu, so meldete der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR): „Schon vor mehr als 2000 Jahren gelang die erste Befruchtung im Reagenzglas, die sog. Josef-und-Maria-Methode“. Und in einer Pro-Sieben-Komödiensendung wird gar gewitzelt: „Jesus war ein ganz schöner Freak, aber sein Vater ist noch bekloppter. Der glaubt, er sei Gott.“ Die Reihe der gotteslästerischen Tiefschläge
könnte fortgesetzt werden. Es würde den Rahmen sprengen. Die heraufbeschworene Tendenz der Rückbesinnung an christliche und konservative Werte kann man in diesem Bereich noch nicht erkennen.
Die christliche Religion hat in unserer Gesellschaft einen ungeahnten Stellenwert. Das Christentum gibt die Richtung vor, da es Land und Leute prägt, auch wenn dieses unterschwellig ist. Der Verfassungsrichter Udo di Fabio hat in seinem Buch mit dem Titel „Die Kultur der Freiheit“ eindrucksvoll dem Leser erläutert, dass unsere Freiheit und Gesellschaft auf dem historischen Fundament jüdisch-christlicher Tradition und auf dem bürgerlichen Tugendkatalog beruht.
Diese Erkenntnis sollte jeder pflegen und sich gewiss sein. Das umfasst auch kulturelle und religiöse Toleranz von Muslimen und Christen. Denn: Respekt und Achtung vor religiösen Gefühlen anderer dürfen nicht verletzt werden.
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